mich schüttelt’s.

•September 14, 2012 • 2 Kommentare

eigentlich saß ich ja gerade an einem wirklich sinnvollen beitrag (ich hab ihn noch nicht verworfen – es geht um kind und geld ausgeben; folgt…)

aber heute fiel mir ein dokument des schreckens, ein mahnmal von unglaublicher scheußlichkeit gegen das, was wohl gemeinhin als „gute erziehung“ durchgeht, in die hände, das ich mit euch teilen will. und ich hoffe, dass die entscheidung, mein kind auf die „verrücktenschule“ zu schicken, ihn für alle zeiten vor so einem sozialen, emotionalen und nicht zuletzt ästhetischen absturz bewahrt. dagegen war der FDP-„rap“ von neulich fast schon super. aber schnallt euch an und urteilt selbst:

edit: die sparda-bank möchte wohl nicht mehr mit diesem video in verbindung gebracht werden, doch das netz vergibt nie – hab neu verlinkt.


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schnipp, schnapp – was geht ab?

•Juli 23, 2012 • 4 Kommentare

wuah, eigentlich will ich gar nicht so viel über vorhäute nachdenken. männlichen geschlechtsorganen haftet ja leicht mal etwas lächerliches an – die frühfeministin helene von druskowitz bezeichnete diese in ihrer zugegeben deutlich einseitigen schrift Der Mann als logische und sittliche Unmöglichkeit und als Fluch der Welt als „schlumpumpenartig“, und da ist ja auch irgendwie was dran. wie auch immer, sie haben eben was sie haben, und da mir als erwachsene heterosexuelle frau „haut dran“ oder „haut ab“ bislang herzlich egal war, habe ich mir eine gewisse vorhautkompetenz erst mit der geburt meines sohnes angeeignet, wobei es da dann nur um praktische fragen der hygiene geht.

und von einem tag auf den anderen geht es nur noch um vorhäute, wohin ich auch schaue. selbst den bundestag hat das thema schon erreicht. auslöser ist natürlich das urteil des landgerichts köln, das die beschneidung als körperverletzung einstuft. die debatte treibt dabei seltsame blüten, und eine „richtige“ position dazu ist zumindest für mich nicht in sicht. da haben wir

– gläubige menschen, die das herumschnippeln an ihren söhnen als religiöses grundrecht einstufen,

– verteidigerInnen der freien religionsausübung, die das herumschnippeln an kindern dafür billigend in kauf nehmen,

– rechtsprechungsskeptikerInnen, die in der herumschnippelei ein problem sehen, das aber nicht durch juristische vorgaben lösbar finden,

– antisemitInnen, denen jedes thema recht ist, um das judentum irgendwo in der nähe der barbarei zu verorten,

– antiislamistInnen, denen… (-> siehe „antisemitInnen“),

– menschen, die in der verteidigung der beschneidung die einzig sinnvolle haltung zu der frage sehen, wenn sie sich gegen antisemitismus positionieren wollen,

– atheistInnen, die so tun, als sei die beschneidungspraxis der beste beweis dafür, warum relgiosität per se bekloppt sei,

und dann gibt es natürlich noch die kleinen jungs, die in dieser debatte nur objekt sind, weil sie sich qua ihres alters leider nicht in die debatte einklinken können. und weil kinder in unserer gesellschaft ohnehin nach wie vor als eigentum der eltern wahrgenommen werden („was ich mit meinem kind mache, das ist doch wohl meine sache“).

damit wird die frage, ob kleine jungs beschnitten werden dürfen oder nicht, ungefähr auf das niveau gehoben, als ob es darum ginge, ob man anderen vorschreiben darf, in welcher farbe sie ihren zaun streichen sollen. das ist für mich nun allerdings der skandalöse teil dieser auseinandersetzung, und mir fällt es recht leicht, mir eine meinung zu dem thema zu bilden, wenn ich den ganzen erwachsenen ideologischen quatsch einfach mal beiseite schiebe und mir die nackten (äh, ja…) tatsachen anschaue. erwachsene schneiden einem kind ein teil des körpers ab, aus welchen gründen auch immer. bei einer medizinischen indikation wird abgewogen zwischen der einschränkung des kindes durch eine vorhautverengung z.b. gegen die verbesserung der situation des kindes durch eine beschneidung. geschenkt, solche entscheidungen gehen mit der elternschaft einher: sie müssen stellvertretend für das kind gefällt werden. aber bei einer religiös oder kulturell indizierten beschneidung wird hier das kindeswohl abgewogen gegen das wohl der eltern. und das geht nicht, punkt. es ist für mich kein setting denkbar, in dem eltern das recht haben sollten, ihrem kind vorsätzlich schmerz zuzufügen und es unwiderruflich körperlich zu verändern. meine kluge kollegin machte mich darauf aufmerksam, dass das dann auch für das schießen von ohrlöchern bei sehr kleinen kindern gelten müsse – und ich sage: ja. stimmt. auch das finde ich absolut nicht in ordnung.

bei der in manchen kulturkreisen üblichen beschneidung von mädchen sind sich die meisten einig: das darf nicht sein. auch diese beschneidungen haben zum teil religiösen hintergrund, und dennoch ist klar, dass das barbarisch ist. nun liegt es mir fern, die schwere der eingriffe vergleichen zu wollen. dennoch ist für mich nicht nachvollziehbar, dass das einzige argument, warum das eine pfui, das andere aber okay sein soll, im grad der körperlichen veränderung, im grad der schmerzhaftigkeit, im grad der auswirkung auf das weitere leben des kindes liegen soll (so argumentiert u.a. auch tolmein hier in der diskussion). aufgabe der eltern muss sein, die körperliche unversehrtheit des kindes zu schützen, nicht sie zu bedrohen. je brutaler der eingriff, desto schlimmer, selbstverständlich. aber es wird nicht ein „je harmloser, desto okayer“ daraus.

wenn nun ein parlament sogar beschließt, es solle ein juristischer rahmen geschaffen werden,

„der sicherstellt, dass eine medizinisch fachgerechte Beschneidung von Jungen ohne unnötige Schmerzen grundsätzlich zulässig ist“,

sollte allen, die kinderrechte hoch halten, der atem stocken. „nötige schmerzen“ gibt es demnach, schmerzen, die kindern zugefügt werden müssen, weil es dem willen der eltern entspricht. what the fuck??

es gibt längst arbeitskreise innerhalb der großen religiösen gemeinschaften mit beschneidungspraxis, die sich mit alternativen zeremonien zur beschneidung beschäftigen. es wäre angesagt gewesen, eine kommission mit diesen vertreterInnen zu bilden und gemeinsam eine lösung zu suchen. ich stimme zu: auf juristischer ebene lässt sich dieses problem allein nicht lösen; weder in die eine noch in die andere richtung. doch wenn ich mich entscheiden müsste, ob ich es angemessener finde, dass die religiösen gemeinschaften das beschneidungsalter so heraufsetzen, dass die jungs frei wählen können, oder ob der gesetzgeber grundsätzlich entscheidet, dass es fälle gibt, in denen eltern (ohne dass damit ein größeres übel vom kind abgewandt wird) diesem vorsätzlich schmerzen zufügen und eine irreversible körperliche veränderung vornehmen, da muss ich nicht lange überlegen. und es erschreckt mich, wieviele der menschen, auf die ich in der regel große stücke halte, in dieser frage ganz anders entscheiden.


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lies mal, freundchen.

•Juli 1, 2012 • 22 Kommentare

im letzten sz-magazin erschien, passend (gleichwohl unpassend) zu meinem letzten blog-eintrag, ein artikel von Cathrin Kahlweit mit dem schmissigen titel „Hör mal, Freundchen!“. nun hätte ich die lektüre schon nach dem dritten absatz beenden können, in dem sie sich positiv auf Bernhard Bueb bezieht, den mann, der das loblied der disziplin in der erziehung singt; den mann, der sachen sagt wie

Gehorsam und Furcht vor Strafe sollten wir nicht länger aus der Erziehung verbannen,

den mann, dessen erziehungsansätzen Wolfgang Bergmann zu recht bescheinigt, „ungehemmt totalitär“ zu sein. eigentlich, wie gesagt, hätte ich den artikel im verlauf unbesehen in die virtuelle tonne kloppen können. oder sollen. hab ich aber nicht, und so habe ich mich dann veritabel geärgert. es geht in dem artikel darum, ob es wohl erlaubt sei, fremde kinder auszuschimpfen. im ergebnis kommt sie darauf, dass es nie erlaubt ist, aber eigentlich nur deshalb, weil – das offenbart ein gespräch am round table – mütter (väter sind in dem artikel marginal) das als eingriff in ihr territorium und als kritik an sich selbst wahrnehmen.

ernsthaft, mir tut Frau Kahlweit ein bißchen leid, wenn sie keine besseren freundinnen (und freunde?) hat, die ihr etwas klügere sachen zu dem thema am kaffeetisch sagen können – aber warum muss sie das auch noch der welt mitteilen? aber mal der reihe nach:

fremde kinder ausschimpfen. da macht es doch einen gehörigen unterschied, wiesoweshalbwarum. ich schrieb in meinem letzten blog-beitrag was über komische grenzen. und das ist doch das problem. wenn jemand – wie auch schon geschehen – mein kind anraunzt, weil es eine grenze übertritt, die in irgendeiner weise allgemeingültig ist – als beispiel soll mal anrempeln oder ins ohr brüllen gelten – komme ich klar; an anderer stelle nicht. in dem artikel ist schon das eingangsbeispiel kritisch:

„Ein Paar möchte nach der Arbeit in Ruhe essen, ein bisschen reden, die Nacht herbeiträumen. Am Nebentisch eine Familie, Mutter, Vater, drei Kinder. Die Kinder spielen rund um den Nachbartisch herum Fangen, Mutter und Vater unterhalten sich ungerührt weiter. Das Paar ist genervt, schließlich bittet der Mann die fremden Kinder: »Könnt ihr bitte weniger Lärm machen? Wir würden gern in Ruhe essen.« Der Vater schreckt auf, ist verärgert. Nicht über seine Kinder, sondern über diese fremden Menschen, die sich anmaßen, seine Kinder zu erziehen. Er sagt hämisch: »Ihr hört doch, Kinder, der Mann möchte nicht, dass ihr lacht.«“

im weiteren verlauf findet kahlweit, der vater (ach ja, doch mal einer) hätte doch auch einfach froh sein können, dass andere leute seinen kindern grenzen setzen. mmh, dafür hätte ich zumindest schon dabei sein müssen, um das zu beurteilen. denn leider leider, frau kahlweit, gibt es leute, die rummosern, wenn kinder laut lachen. und wenn drei kinder laut lachen, macht das lärm. wessen anspruch ist denn aber berechtigt? gibt es für erwachsene einen berechtigten anspruch darauf, dass es in einem restaurant leise ist und keine kinder rumrennen? oder gibt es für kinder einen berechtigten anspruch, rumrennen und laut lachen zu dürfen? nicht missverstehen: ja, das kann nerven, und ich bin auch keineswegs der meinung, dass das völlig frei und immer geschehen können muss. mich überrascht aber, mit welcher sicherheit hier der anspruch der erwachsenen als maßgeblich gilt. dagegen rege ich mich nicht auf – wie andernorts gelesen – dass es in münchen (?) ein café gibt, in dem es einen kinderfreien bereich gibt. das erscheint mir ganz sinnvoll, wenn es dafür dann auch einen bereich gibt, in dem kinder sein und dabei kinder sein dürfen. nennt man auch win-win-situation.

kollektive erziehung. die autorin weist darauf hin, dass kollektive erziehung inzwischen einer individualisierten gewichen ist und „früher“ eine selbstverständlichkeit war. früher war übrigens auch schlagen eine selbstverständlichkeit, und auch die abwertung des kindes zu einem wesen, das sich erst auf dem weg der menschwerdung befindet. und von welchem kollektiv gehen wir denn aus? eine kollektive erziehung setzt auch voraus, dass das kollektiv ähnliche ziele der erziehung, ja eine ähnliche notwendigkeit von erziehung überhaupt teilt. deshalb komme ich mit vielen freundInnen gut klar, die mit ihren kindern einen ähnlichen umgang pflegen wie ich mit meinem – die sagen meinem kind was, und ich ihren auch, und keine seite findet das komisch. offensichtlich bewegt sich Kahlweit eben in kleinkrämerischeren zusammenhängen. aber mich verbindet doch diese ähnliche auffassung vom zusammenleben mit kindern nicht mit jedem beliebigen menschen auf der welt.

hilfreiche einmischung. gerne würde ich fremde einmischung – und tue das auch im entsprechenden setting, s.o. – als hilfreich empfinden. sie ist es aber sehr häufig nicht, weil ich finde, dass sehr viele leute in hinblick auf kinder komisch ticken. in dem artikel wird die familiensoziologin Maria Hennig zitiert mit

»Dass kollektives Erziehen nicht als Erleichterung, sondern als Zumutung empfunden wird, liegt – historisch gesehen – auch am deutschen Mutterbild. Die geeignete Erzieherin für ein Kind kann demnach nur die Mutter sein. Denn nur die weiß, was gut für ihr Kind ist.«

nun, da vergisst Hennig aber die leute, die grundsätzlich den unbedingten zugriff auf kinder und unhinterfragten machtanspruch von erwachsenen in frage stellen. ich glaube grundsätzlich nicht, dass ein erwachsener qua erwachsen sein geeignet als erzieherIn ist – ob mutter, ob vater, ob fremder mensch im biergarten. und jetzt?

und zum schluss mein letztes erlebnis mit einer „hilfreichen einmischung“: wir sitzen in einer art strandbar am main unter einer riesigen kastanie. ein typischer laubbaum, behauptet das internet, hat ungefähr 50.000 blätter. die kastanie ist gigantisch, gehen wir also mal von 80.000 aus. und mein sohn springt an den einzigen tief hängenden ast und rupft ein blatt ab. nachdem er das noch zwei mal wiederholt, setzt er zum vierten sprung an, um von einer hilfreichen dame angeraunzt zu werden, er solle sofort damit aufhören. well… welcher punkt daran ist hilfreich? welchen schaden hat der sohn angerichtet? welche ihrer grenzen hat er übertreten? vielen dank auch, hilfreiche kollektive erziehung.

ich widerspreche nicht der these, dass kinder auch lernen müssen, sich in einem bestimmten rahmen auch an regeln zu halten, die nicht nachvollziehbar sind. aber diese regeln darf doch nicht jeder erwachsene willkürlich aufstellen. in einer anderen familie zu besuch – es gelten die regeln der familie. und hinterher kann man drüber reden, ob die doof waren oder nicht. einverstanden. aber egal wo soll jede/r erwachsene egal welche regel aufstellen dürfen? und das ist dann kollektive erziehung?

die erziehung durch andere engt die freiheit meines kindes auch an stellen ein, wo es absolut nicht notwendig ist. so wie übertriebene eingriffe meinerseits auch. und das müssen sich sowohl fremde als auch eltern abtrainieren – darum geht es. und nicht um noch mehr geschimpfe von allen seiten, freundchen.


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schwein.

•Juni 14, 2012 • 16 Kommentare

mein kind besucht eine freie schule. nein, nicht das, was sich „freie schule“ nennt, in wirklichkeit aber kinder in ein evangelikales oder sonstwie religiös geprägtes verhaltenskorsett zwängt, sondern eine freie alternativschule. das bringt es mit sich, dass sich dabei auch – äh (ich suche nach einem wertneutralen begriff)- gesellschaftlich eher unübliche verhaltensweisen fröhlich ausbreiten können. damit meine ich nicht verhaltensweisen, die andere leute offensichtlich stören, wie rempeln, ins ohr schreien oder so was. das gibt es natürlich auch, aber gehört nicht zu der „freiheit die ich meine“, die nämlich nach möglichkeit nicht über die grenzen der anderen latschen sollte.

doch was mache ich, wenn die anderen ihre grenzen so merkwürdig ziehen? ein guter indikator für den verlauf dieser grenzen ist zum beispiel die fahrt in der straßenbahn vor oder nach der schule. ich könnte willkürlich einen tag herausgreifen: zum beispiel den, an dem mein sohn die ärzte mit „schrei nach liebe“ auf dem kopfhörer hat und morgens um kurz nach acht in die ansonsten schweigsam versammelte straßenbahngemeinde immer im refrain ein einziges wort –  „arschloch“ – mitbrüllt. oder wenn er sein taschengeld bereits bevor wir überhaupt einsteigen im süßigkeitenautomaten gelassen hat und die umgebung ihn beim wegschmatzen eines frühstücks vom anderen ende der gesunde-ernährung-skala beobachten kann. da wird dann aus hundert augen gestarrt, und es ist klar: irgendwie „gehört“ sich das nicht. schwer zu sagen, warum sich jemand belästigt fühlen sollte von dem, was mein sohn isst, oder warum ein mitgegröhltes „arschloch“ schwerer auszuhalten ist als zum beispiel handygespräche, bei denen wir viel mehr über die leute am fon erfahren als wir jemals wollten.

natürlich wäre es schöner, wenn in der bahn niemand „arschloch“ gröhlt. aber es wäre auch schöner, wenn in der bahn niemand neben mir nach schnaps stinkt und laut mit einem nicht vorhandenen gegenüber über den neuesten fehlkauf der eintracht schwadroniert. und es wäre auch schöner, wenn es einen parfum-grenzwert gäbe, über dem man keine bahn mehr besteigen dürfte. und es wäre schöner, wenn leute mich morgens anlächeln würden, statt grimmig vor sich hin zu starren. und ich fände es auch schöner, wenn ich nicht hören müsste, dass das neue datenbanksystem echt mies und die schneider ne doofe fotze ist. doch bei kindern traut man sich bei allem was einem gerade nicht passt von anstarren aufwärts dann alles, was man bei der schnapsnase nicht wagen würde.

gänzlich verpasse ich dann die verständniskurve, wenn wildfremde menschen anfangen, die fröhlichen, wenn auch etwas schrägen kinder für ihr anders-sein regelrecht zu hassen. ich hätte es selbst nicht geglaubt, aber vorgestern dann so: ich mal wieder unterwegs in der spießrutenbahn mit eigenem kind und besucherkind. die hundert augen starren wie üblich, vielleicht sogar noch etwas mehr, denn neben absurden lauten gesprächen sind die kinder auch noch von oben bis unten mit farben bekleckst. war wohl spaß heute in der schule, denke ich. die neben mir denkt was anderes, und das laut: „schwein.“ hasserfüllter blick fest auf eins der kinder geheftet, bitterer zug um den mundwinkel und fast wie ein bellen ausgestoßen: „schwein.“

was ich am liebsten gemacht hätte: einen eimer farbe auf die schwein-frau gekippt. was ich am zweitliebsten gemacht hätte: irgendwas mit schmerzen. was ich gemacht habe: nichts von alledem. und daran war nicht in erster linie der umstand schuld, dass ich keine farbe dabei hatte. ich war einfach baff darüber, dass es so wenig braucht, um andere leute wirklich wütend zu machen, und ich war zweifach baff darüber, um wieviel mehr es leute wütend macht, wenn es kinder sind und noch dazu eine mutter dabei steht, die sich noch nicht mal dafür schämt.

und nach vielem nachdenken – und nachdem die mutter des besuchskindes mich darauf stieß, dass die schwein-frau vermutlich selbst ihre anale phase nicht durchleben durfte etc. – da dachte ich: du arme arme schwein-frau. wie groß muss dein opfer gewesen sein, das du bringen musstest um so zu sein wie andere dich wollen, dass du es nicht erträgst, dass da ein kind ist, dem es wurscht ist, ob die anderen es „zu schmutzig“ finden. zu schmutzig wofür? wir waren am nachmittag nicht bei königs eingeladen. gibt es ein „zu schmutzig für die straßenbahn?“ okay, vielleicht ist andere vollstinken oder abfärben doof, aber das war beides nicht der fall. wo sind denn die grenzen der anderen, die nicht nur konvention sind? was mache ich, wenn andere sagen „mit dem bruch einer konvention übertrittst du meine grenze“? muss ich das akzeptieren? wie subjektiv darf so eine grenze sein, die den anspruch hat, ernst genommen zu werden?

und wieder weist sich, dass es eben gar nicht so leicht ist mit der freiheit. die grenzen der anderen als die grenzen der eigenen freiheit zu akzeptieren ist ja ein spitzengrundsatz,  aber wenn die anderen scheiß grenzen haben, stehe ich ganz schön blöd da… wenn also jemand ein besseres freiheitsmodell zu bieten hat, so auf die schnelle – her damit, danke.


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work hard, play hard, oder mach einfach mal hard den kopp zu.

•Mai 27, 2012 • 2 Kommentare

was ich heute nicht geschrieben habe war das hier:

findet ihr es nicht tendenziell eklig, den leuten einzureden, genau so zu funktionieren wie es von ihnen erwartet wird sei ihre persönliche entscheidung für einen arschcoolen lifestyle? mich schüttelt jedenfalls schon der gedanke, dass es solche angepassten lappen wie eure zielgruppe überhaupt gibt, denen man für die verwendung des wortes „punk“ den mund mal mit seife auswaschen sollte.

schreiben wollte ich es an die pinnwand des obey-capitalism-zentralorgans mit dem (fensterein)schmissigen namen Business Punk. nicht weil „punk“ und seinen lebensunterhalt verdienen sich ausschließen; aber weil es definitiv nichts miteinander zu tun hat. scheiße genug, dass wir arbeiten gehen müssen und dass unser leben sich ständig um kohle dreht. aber ein blatt zusammenzuklöppeln, das irgendwie versucht das ganze auch noch zu etwas wildem zu machen, wo es eigentlich kaum was langweiligeres gibt, ekelt mich sogar zu sehr an, um mir auch nur professionellen respekt abzuringen.

und dann dachte ich mir, dass da jedes wort zu viel ist. wer für sich entschieden hat, sich zu fügen und von außen – plattsprech: vom kapitalismus – vorgegebene werte (also eigentlich singular: geld halt) zu seinen zu machen, der muss sich das schön reden. und der will dann eben trotzdem auch irgendwie rebell sein. und wenn er nur ne zeitschrift kauft, die rebell umdefiniert. also eigentlich: ne arme (möchtegern)reiche wurst.

und wer das für sich anders entschieden hat, darf das kaum noch laut sagen und muss sich tagelang in frankfurt mit einer autoritären polizeistaatsartigen situation auseinandersetzen, die auch keinen spaß macht. ist aber immerhin schön, nicht über taschen am letzten hemd nachdenken zu müssen. empfohlen sei den Business Punks statt ihrer doofen zeitschrift nämlich lieber mal ein blick in das buch einer australischen sterbebegleiterin – unter den dingen, die sterbende am meisten bedauern, findet sich „dass ich nicht mehr geld verdient habe“ wenig überraschend: nicht.


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autoritär – so geht das hibbdebach und dribbdebach

•Mai 13, 2012 • Schreibe einen Kommentar

da grübelt und grübelt man, wie man beim kindergroßziehen mit möglichst wenig NEINerei zurande kommen soll – und dann wird man noch als zumindest nominell deutlich erwachsene person von einer von der stadt frankfurt ausgesprochenen welle von NEINs überrollt: für die unter dem namen Blockupy gefassten proteste gegen die rigide spar- und verarmungspolitik der troika wurde gerade verboten (weder chronologisch noch vollständig):

– ein rave

– alle veranstaltungszelte

– alle camps

– alle infostände

– eine mahnwache der „ordensleute für den frieden“

– alle sitzblockaden

– die geplante demo am samstag

– das höchst subversive kulturprogramm u.a. mit konstantin wecker auf dem opernplatz

– etc. pp.; um es etwas abzukürzen: alles wurde verboten.

der neueste coup: die ganz ganz bösen (oder auch: die, die sich zufällig in einem kessel befanden bei einer ganz anderen gelegenheit) dürfen jetzt gar die innenstadt vier tage lang nicht betreten; doof für die, die dort wohnen, nehme ich an. wie so ein schreiben aussieht, lässt sich im FICKO nachlesen. und so werden wir jetzt einer tollen live-vorführung beiwohnen können: warum autoritär nämlich das gegenteil von konstruktiv ist. die frankfurter rundschau (gepriesen sei sie) gibt den erklärbär zur frage, warum dieses autoritäre säbelrasseln überhaupt erst auseinandersetzungen provozieren wird. und genau so isses bei uns zu hause auch, irgendwie.


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hol‘ doch mal n päckchen haumichblau(undgelb)

•Mai 9, 2012 • 2 Kommentare

man kann seinem kind viel verzeihen. man kann aushalten, wenn es star-wars-sammelkarten grundsätzlich direkt wegwirft, wenn weibliche figuren drauf sind. man kann aushalten, wenn es waffen toll findet. man kann so tun als sei es einer egal, wenn auf einmal „ai got a hängoofer, ohoooohooo“ durchs haus gesungen wird statt in den wochen vorher vielversprechend Die Ärzte, und man kann tatsächlich sogar irgendwie n besseres elternteil werden, wenn man einfach mal zuschaut und aushält, statt zu lenken. aber es gibt fälle… da kann ich lange vor mir hertragen „mein kind soll werden dürfen wie es möchte“, oder auch „ich möchte mein kind nicht in meine vorstellungen pressen“. erst recht natürlich „sollte ich jemals die hand gegen mein kind erheben, soll sie mir abfaulen“. und dann sehe ich das hier:

und da komme ich dann an meine grenzen. im ernst: sind die zu eng?


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