lies mal, freundchen.

im letzten sz-magazin erschien, passend (gleichwohl unpassend) zu meinem letzten blog-eintrag, ein artikel von Cathrin Kahlweit mit dem schmissigen titel „Hör mal, Freundchen!“. nun hätte ich die lektüre schon nach dem dritten absatz beenden können, in dem sie sich positiv auf Bernhard Bueb bezieht, den mann, der das loblied der disziplin in der erziehung singt; den mann, der sachen sagt wie

Gehorsam und Furcht vor Strafe sollten wir nicht länger aus der Erziehung verbannen,

den mann, dessen erziehungsansätzen Wolfgang Bergmann zu recht bescheinigt, „ungehemmt totalitär“ zu sein. eigentlich, wie gesagt, hätte ich den artikel im verlauf unbesehen in die virtuelle tonne kloppen können. oder sollen. hab ich aber nicht, und so habe ich mich dann veritabel geärgert. es geht in dem artikel darum, ob es wohl erlaubt sei, fremde kinder auszuschimpfen. im ergebnis kommt sie darauf, dass es nie erlaubt ist, aber eigentlich nur deshalb, weil – das offenbart ein gespräch am round table – mütter (väter sind in dem artikel marginal) das als eingriff in ihr territorium und als kritik an sich selbst wahrnehmen.

ernsthaft, mir tut Frau Kahlweit ein bißchen leid, wenn sie keine besseren freundinnen (und freunde?) hat, die ihr etwas klügere sachen zu dem thema am kaffeetisch sagen können – aber warum muss sie das auch noch der welt mitteilen? aber mal der reihe nach:

fremde kinder ausschimpfen. da macht es doch einen gehörigen unterschied, wiesoweshalbwarum. ich schrieb in meinem letzten blog-beitrag was über komische grenzen. und das ist doch das problem. wenn jemand – wie auch schon geschehen – mein kind anraunzt, weil es eine grenze übertritt, die in irgendeiner weise allgemeingültig ist – als beispiel soll mal anrempeln oder ins ohr brüllen gelten – komme ich klar; an anderer stelle nicht. in dem artikel ist schon das eingangsbeispiel kritisch:

„Ein Paar möchte nach der Arbeit in Ruhe essen, ein bisschen reden, die Nacht herbeiträumen. Am Nebentisch eine Familie, Mutter, Vater, drei Kinder. Die Kinder spielen rund um den Nachbartisch herum Fangen, Mutter und Vater unterhalten sich ungerührt weiter. Das Paar ist genervt, schließlich bittet der Mann die fremden Kinder: »Könnt ihr bitte weniger Lärm machen? Wir würden gern in Ruhe essen.« Der Vater schreckt auf, ist verärgert. Nicht über seine Kinder, sondern über diese fremden Menschen, die sich anmaßen, seine Kinder zu erziehen. Er sagt hämisch: »Ihr hört doch, Kinder, der Mann möchte nicht, dass ihr lacht.«“

im weiteren verlauf findet kahlweit, der vater (ach ja, doch mal einer) hätte doch auch einfach froh sein können, dass andere leute seinen kindern grenzen setzen. mmh, dafür hätte ich zumindest schon dabei sein müssen, um das zu beurteilen. denn leider leider, frau kahlweit, gibt es leute, die rummosern, wenn kinder laut lachen. und wenn drei kinder laut lachen, macht das lärm. wessen anspruch ist denn aber berechtigt? gibt es für erwachsene einen berechtigten anspruch darauf, dass es in einem restaurant leise ist und keine kinder rumrennen? oder gibt es für kinder einen berechtigten anspruch, rumrennen und laut lachen zu dürfen? nicht missverstehen: ja, das kann nerven, und ich bin auch keineswegs der meinung, dass das völlig frei und immer geschehen können muss. mich überrascht aber, mit welcher sicherheit hier der anspruch der erwachsenen als maßgeblich gilt. dagegen rege ich mich nicht auf – wie andernorts gelesen – dass es in münchen (?) ein café gibt, in dem es einen kinderfreien bereich gibt. das erscheint mir ganz sinnvoll, wenn es dafür dann auch einen bereich gibt, in dem kinder sein und dabei kinder sein dürfen. nennt man auch win-win-situation.

kollektive erziehung. die autorin weist darauf hin, dass kollektive erziehung inzwischen einer individualisierten gewichen ist und „früher“ eine selbstverständlichkeit war. früher war übrigens auch schlagen eine selbstverständlichkeit, und auch die abwertung des kindes zu einem wesen, das sich erst auf dem weg der menschwerdung befindet. und von welchem kollektiv gehen wir denn aus? eine kollektive erziehung setzt auch voraus, dass das kollektiv ähnliche ziele der erziehung, ja eine ähnliche notwendigkeit von erziehung überhaupt teilt. deshalb komme ich mit vielen freundInnen gut klar, die mit ihren kindern einen ähnlichen umgang pflegen wie ich mit meinem – die sagen meinem kind was, und ich ihren auch, und keine seite findet das komisch. offensichtlich bewegt sich Kahlweit eben in kleinkrämerischeren zusammenhängen. aber mich verbindet doch diese ähnliche auffassung vom zusammenleben mit kindern nicht mit jedem beliebigen menschen auf der welt.

hilfreiche einmischung. gerne würde ich fremde einmischung – und tue das auch im entsprechenden setting, s.o. – als hilfreich empfinden. sie ist es aber sehr häufig nicht, weil ich finde, dass sehr viele leute in hinblick auf kinder komisch ticken. in dem artikel wird die familiensoziologin Maria Hennig zitiert mit

»Dass kollektives Erziehen nicht als Erleichterung, sondern als Zumutung empfunden wird, liegt – historisch gesehen – auch am deutschen Mutterbild. Die geeignete Erzieherin für ein Kind kann demnach nur die Mutter sein. Denn nur die weiß, was gut für ihr Kind ist.«

nun, da vergisst Hennig aber die leute, die grundsätzlich den unbedingten zugriff auf kinder und unhinterfragten machtanspruch von erwachsenen in frage stellen. ich glaube grundsätzlich nicht, dass ein erwachsener qua erwachsen sein geeignet als erzieherIn ist – ob mutter, ob vater, ob fremder mensch im biergarten. und jetzt?

und zum schluss mein letztes erlebnis mit einer „hilfreichen einmischung“: wir sitzen in einer art strandbar am main unter einer riesigen kastanie. ein typischer laubbaum, behauptet das internet, hat ungefähr 50.000 blätter. die kastanie ist gigantisch, gehen wir also mal von 80.000 aus. und mein sohn springt an den einzigen tief hängenden ast und rupft ein blatt ab. nachdem er das noch zwei mal wiederholt, setzt er zum vierten sprung an, um von einer hilfreichen dame angeraunzt zu werden, er solle sofort damit aufhören. well… welcher punkt daran ist hilfreich? welchen schaden hat der sohn angerichtet? welche ihrer grenzen hat er übertreten? vielen dank auch, hilfreiche kollektive erziehung.

ich widerspreche nicht der these, dass kinder auch lernen müssen, sich in einem bestimmten rahmen auch an regeln zu halten, die nicht nachvollziehbar sind. aber diese regeln darf doch nicht jeder erwachsene willkürlich aufstellen. in einer anderen familie zu besuch – es gelten die regeln der familie. und hinterher kann man drüber reden, ob die doof waren oder nicht. einverstanden. aber egal wo soll jede/r erwachsene egal welche regel aufstellen dürfen? und das ist dann kollektive erziehung?

die erziehung durch andere engt die freiheit meines kindes auch an stellen ein, wo es absolut nicht notwendig ist. so wie übertriebene eingriffe meinerseits auch. und das müssen sich sowohl fremde als auch eltern abtrainieren – darum geht es. und nicht um noch mehr geschimpfe von allen seiten, freundchen.


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~ von superjule - Juli 1, 2012.

22 Antworten to “lies mal, freundchen.”

  1. ohje … und die Kommentare unter dem Artikel erst … wenn ich sowas schon lese : „eigentlich kann ich mit den Ansichten und Methoden von Herrn Bueb nicht viel anfangen, aber hier muss ich ihm weitgehend zustimmen. Ich habe selbst zwei Töchter allein groß gezogen und weiß wovon ich rede. Ich mag Kinder, besonders, wnn sie gut erzogen sind, (!) was nicht heisst, dass sie wie dressierete Äffchen sein müssen. Was ich aber heutzutage erleben muss zwingt mich dazu in aller Frühe einkaufen zu gehen, weil ich das Gebrüll und Herumtoben zu späteren Tageszeiten in Supermärkten einfach nicht ertrage.“ …. argh …. das hört sich für mich genauso an wie „eigentlich hab ich nichts gegen Ausländer ..“ grrr

    • *g* sehr schöner vergleich mit „eigentlich hab ich nichts gegen ausländer, aber…“ – werde ich mir merken 😀

  2. NACHTRAG sz-magazin-leserin julia morgenroth kommentierte übrigens sehr treffend unter dem artikel: „Ich würde mir so sehr wünschen, daß meine Mitmenschen auf meine Kinder eingehen, ihnen etwas erklären, ihnen etwas zeigen, ihnen etwas beibringen. Dann könnte ich mich auch entspannen. Mir wurde aber in den vergangenen sechs Jahren (der große ist sechs) exakt zwei mal wirklich HILFE im Umgang mit den Kindern von Fremden angeboten. Wobei die Kinder einbezogen wurden. Der Normalfall ist, daß Fremde ihnen zu verstehen geben, daß sie stören, daß sie zu laut sind, daß sie falsch sind, daß sie so wie sie sind unerwünscht sind. Und davor werde ich sie auch weiterhin so gut ich kann beschützen.“
    word!

  3. Vielen Dank für´s Zitieren, superjule. Und ein toller Artikel, danke. Aber: Ich bin keine SZ- Leserin! Ich lese nur in Ausnahmefällen mal einen Artikel, wenn ich von anderen Leuten darauf hingewiesen werde. Es ist mir wichtig das klarzustellen 😉 Mit freundlichen Grüßen von Julia Morgenroth

    • Nein, das ist meines Erachtens nur eine egoistische Sichtweise (MEINE Kinder). Ja, die Kinder werden von Ihnen geboren, großgezogen, geprägt, etc., aber sie sind auch ein Teil dieser Gesellschaft. Spätestens in der Pubertät, wenn diese ihre eigene Identität in der Gesellschaft zu finden versuchen, kann es äußerst destruktiv sein, wenn die Kinder bis dahin kein Zusammenleben mit Fremden kennen gelernt haben. Und die Folgen trägt meist wieder die Gesellschaft, die dann getreten, geschlagen oder deren Dinge zerstört werden, weil Grenzen und Rücksicht auf andere Mitglieder der Gesellschaft ein Fremdwort sind.
      Man darf liebevolle Erziehung nicht mit dem Setzen von Grenzen in einen Topf werfen, das schließt sich nicht aus, im Gegenteil.
      Kinder werden nicht nachhaltig geschädigt, wenn sie früh lernen, dass die Grenzen des eigenen Handelns dort liegen, wo andere geschädigt oder erheblich beeinträchtigt werden. Wenn die Kinder lernen, dass es Orte gibt, wo sie toben und schreien dürfen (was nachweislich sehr wichtig für ihre Entwicklung ist) und Orte, wo das eben nicht geht.

      Unbegründetes Ausschimpfen, wie in manchen Fällen geschildert (z.B. beim Ausrupfen der Blätter, unbegründet im Sinne von „nicht für das Kind nachvollziehbar“) darf natürlich nicht sein, da stimme ich mit ein. Deshalb aber die Gesellschaft komplett vor dem Kind zu verschließen, halt ich für nicht gut.
      Da könnte ich auch Einzelbeispiele anbringen (wieso sieht eine Mutter nur schulterzuckend zu, wenn ihr Kind auf eine hohe Brüstung klettert und mich dann mit seinem Holzschwert schlägt, weil ich es vor dem Absturz von über 5 m rette?), aber es sind eben nur EInzelschnitte und dementsprechend immer extrem.

      • Also, an dieser Stelle bin ich tatsächlich egoistisch, denn es sind nun mal MEINE Kinder (und die meines Mannes). Da habe ich im Übrigen auch unser Grundgesetz auf meiner Seite, Art 6: „Pflege und Erziehung der Kinder sind das natürliche Recht der Eltern und die zuvörderst ihnen obliegende Pflicht.“ Daß meine Vorstellungen und die Vorstellungen meiner Umgebung manchmal kollidieren – nun ja, das ist halt so.
        Was das Setzen von Grenzen betrifft stimme ich Ihnen zu, aber möglicherweise verlaufen meine Grenzen woanders als Ihre. Dann haben sie natürlich das Recht Ihre Grenzen klar zu machen, auch meinem Kind gegenüber. Wenn Sie nun aber sofort unfreundlich werden und schimpfen (Die Überschrift des Artikels war nicht: „Darf ich es fremden Kindern sagen, wenn ich mich gestört fühle?“, sondern „Darf man fremde Kinder ausschimpfen?“) ist das meistens kontraproduktiv. Wenn das Kind einfach nur rumtobt ohne sich Gedanken um seine Umwelt zu machen und ohne die Absicht jemanden zu ärgern fühlt es sich durch das plötzliche Schimpfen angegriffen. Und wenn es dann Schutz bei mir sucht kann ich mich nur auf seine Seite stellen. Wenn Sie ihm erklären würden: „Ich möchte hier bitte in Ruhe zu Abend essen und mich unterhalten, kannst Du bitte leiser oder woanders spielen?“ werde ich nicht widersprechen und nach einer Lösung suchen mit der es allen gut geht: Ihnen UND meinem Kind. Der Ton macht halt die Musik.
        Mit freundlichen Grüßen von Julia Morgenroth

      • Nun, das klingt doch nach einem gemeinsamen Punkt. So formuliert stimme ich Ihnen uneingeschränkt zu.

        Schade nur, dass so viele Mütter (erstaunlicherweise mehr als Väter) es bereits als unangemessenen Eingriff sehen, wenn man das Kind auch nur anspricht. Ich würde mir mindestens ebenso oft wünschen, dass der letzte von Ihnen geschriebene Absatz mehr Anwendung in der Praxis finden würde. So, wie ein angemessenerer Ton der „Gestörten“ mehr Anwendung finden sollte, hier stimmte ich bereits in meinem vorhergehenden Post zu.

        Im übrigen möchte ich mich höflich davon distanzieren, dass der Eindruck erweckt wird, ich würde Kinder sofort unfreundlich behandeln (daher schreibe ich lieber in der neutralen „man“-Form, wenn es um generelle Verhaltensweisen gehen soll). Transkribiert man Ihren gesamten Post in diese neutrale Form, bleibe ich bei meiner inhaltlichen vollen Zustimmung.

      • Zitat: „Schade nur, dass so viele Mütter (erstaunlicherweise mehr als Väter) es bereits als unangemessenen Eingriff sehen, wenn man das Kind auch nur anspricht.“
        Ich kann nicht beurteilen, ob das stimmt oder ob es sich hier lediglich um eine Klischee handelt. Aber selbst wenn das so wäre würde es mich nicht wundern. Eine Mutter mit Kind muß sich in der Öffentlichkeit sehr viel mehr Anfeindungen, Unfreundlichkeit und den Versuch der Bevormundung gefallen lassen als zum Beispiel Väter mit Kleinkind Diese werden sehr viel öfter angelächelt und zuvorkommend behandelt. (Diese Beobachtung beschreibt Hans- Werner Meyer in seinem Buch „Durch´s wilde Kindistan“, wir haben sie aber durchaus auch schon selbst gemacht.)
        Irgendwie scheint beim Anblick einer Mutter mit Kleinkind sich jede und jeder berufen zu fühlen kluge Ratschläge zu geben oder korrigierend einzugreifen. Warum? Ich gehe doch auch nicht zum Busfahrer und erkläre ihm, daß er den Bus ganz anders fahren sollte, daß er auf seine Art Verkehrsteilnehmer gefährdet oder dem Getriebe schadet usw. Niemand läßt sich gern bevormunden und wenn der Busfahrer in diesem Beispiel unfreundlich reagieren würde wäre das mehr als verständlich, selbst wenn er dabei nicht cool bliebe. Genauso verständlich ist es, wenn eine Mutter irgendwann die Geduld verliert angesichts solcher Überheblichkeit. Auch wenn die eine oder andere sicher überreagiert.

  4. „Was ich aber heutzutage erleben muss zwingt mich dazu in aller Frühe einkaufen zu gehen, weil ich das Gebrüll und Herumtoben zu späteren Tageszeiten in Supermärkten einfach nicht ertrage.”

    *lol* Soll sie es wie ich machen und nur noch mit Musik über Kopfhörer einkaufen gehen. Wenn etwas in Supermärkten nervig ist, dann doch wohl diese affektierten Werbe-Sprecher, die ständig irgendwelche Produkte und die aktuellen Sonderangebote über die Sprechanlage anpreisen.
    Der Lärm von Kindern ist dagegen nichts! Ich leide allerdings oft mit den Kindern, wenn ich ihren Frust sehe, weil sie zum Einkaufen mitgeschleppt wurden und dann auch noch ständig ermahnt werden, wenn sie die bunten Waren anschauen und anfassen wollen.

    Kollektive Erziehung? Soetwas hatten wir doch schon im Preußentum und im 3. Reich. Laut Psychologen wie Alice Miller und Arno Gruen hat die preußische Erziehung den kollektiven Haß, der das 3. Reich überhaupt erst möglich gemacht hat, erzeugt. Und dieser Hass steckt immer noch in der deutschen Gesellschaft und will wieder ausbrechen. Besonders in Krisenzeiten wie diesen. Daher wundert es mich auch nicht, dass autoritäre Erziehung jetzt wieder im Kommen ist.
    Es ist ja der richtige Weg wie diese Familiensoziologin die Geschichte als Erklärung heranzuziehen, aber dann sollte man es auch richtig machen und nicht so oberflächlich!

    Dennoch stimme ich in so weit zu, dass viele (nicht alle!) Eltern die Einmischung von Fremden tatsächlich nur nicht mögen, weil sie es als Angriff gegen sich selbst empfinden und nicht weil es ihnen um die Freiheit ihres Kindes geht.

  5. Hallo Jan Nolte, da hast Du es auf den Punkt gebracht. Das Mißtrauen gegen kollektive Erziehung ist mit dem nationalsozialistischen und dem sozialistischen Hintergrund in diesem Land verständlich. So betrachtet hat auch diese Soziologin recht. Es gibt aber auch ein anderes Verständnis von kollektiver Erziehung, in dem nicht die Erziehungsvorstellungen der Gemeinschaft GEGEN die Erziehungsvorstellungen der Mutter/ Eltern ausgespielt werden, sondern alle an einem Strang ziehen. Ich glaube im Tagesspiegel hat neulich jemand geschrieben, daß es unmenschlich ist, wenn man eine Mutter mit Kind/ Kindern allein läßt und ihr die Erziehungsarbeit allein überläßt. Ich erlebe das gerade am eigenen Leib, es ist ein 24/7- Job und das ist auf Dauer einfach zu viel für eine/n. Trotzdem weigere ich mich (meistens) Einmischung von außen anzunehmen, weil das normalerweise bedeutet, daß eben jene Außenstehenden mein Kind dressieren wollen (weil sie es eben nicht anders kennen) und nicht auf sie eingehen. Ich kann in diesem Zusammenhang nur immer wieder auf das Buch von Jean Liedloff verweisen: „Auf der Suche nach dem verlorenen Glück“. Jean Liedloff war eine amerikanische Forscherin, die mehrere Jahre im Dschungel beim Volk der Yequana gelebt hat. Die machen vor, wie Kinder in die Gemeinschaft eingebunden werden können ohne ihre Individualität zu zerstören. Das Buch ist im Übrigen die Grundlage des „Attached Parenting“, das es neulich bis auf den Titel der Times geschafft hat, allerdings eher als die Idee einiger pseudoreligiöser Spinner abgetan wurde. Viele Grüße von Julia Morgenroth

  6. Ach Du liebe Güte! Ich habe den Artikel ganz anders verstanden. Wahrscheinlich weil ich, hätten meine Kinder im Restaurant um den Tisch fremder Leute Hasche gespielt, egal ob laut oder leise, nicht ungerührt weiter geschnattert hätte, sondern entweder meine Kinder gebeten hätte, um „meinen“ Tisch zu rennen oder die „Fremden“ wenigstens gefragt hätte, ob es sie sört.

  7. Ich bin genau der Meinung des Verfassers und hatte auch Erlebnisse in denen meine Tochter 5 Jahre eingeschüchtert wurde weil sie z.B. an einem Geländer gehangen hat. Ich bin einverstanden wenn jemand sie höflich, wie ich auch mit anderen Menschen ob gross ob klein sprechen würde, drauf aufmerksam macht das das nicht geht weil…. Aber nicht angemeckert so das sie immer kleiner wurde. Sie und auch ich wussten gar nicht was los war in dem Moment. Ich habe erfahren wenn man mit Kindern und Jugendlichen respektvoll redet, dann kann man einiges mehr erreichen. So, und da das nicht alle beherrschen sollten diese sich auch nicht mit der Erziehung der Kinder einmischen weil sie damit eine Menge Unheil anrichten können für die kleine Seele.

  8. Wie kann man den Artikel nur dermaßen missverstehen? So auch der Teil, wo es um das „deutsche Mutterbild“ geht. Da geht nicht um Menschen mit besonderen Ansichten (von der Mitte aus gesehen), sondern um die allgemeine Meinungstendenz (aus der Mitte nun mal). In Großstädten ist das womöglich nicht mehr so stark vertreten, in eher ländlichen Regionen wie Nordbayern jedoch absolut.

    Außerdem meinte die Autorin keine kleinen Zwischenfälle wegen Kindern, sondern Zwischenfälle, die die Persönliche Freiheit beschneiden! So wurde ich selbst Mal in einem Café angerempelt und monierte die fehlende Bereitschaft des Kindes, sich zu entschuldigen und musste mich gleich mit seinem Gehirnklotzvater anlegen.
    Ferner finde ich die Verwendung des Totschlagarguments (früher kollektive Erziehung aus Sicht der Autorin dieses Textes, wenigstens nicht ganz so toll, da damal Schläge normal waren blaaablaaa bitte was?). Das ist ja Kindergartenniveau, was Argumentation anbetrifft.
    Und um dieses, aus meiner Sicht vollkommen desaströse, Schriftstück für mich abzuhaken, noch der Hinweis, dass es ein Unding ist, die deutsche Rechtschreibung dermaßen ungeniert in die Tonne zu treten, nur weil das englische Vorbild einfacher ist. Dass man dabei häufiger überlegen muss, welche Bedeutung ein Wort hat, macht den Text nämlich nicht einfacher zu lesen – nur zu schreiben.

    • Als Ergänzung: das Kind war 8.
      Und der Part mit der Rechtschreibung: da meinte ich leichter scheinen, nicht sein.

    • dafür bin ich bei interpunktion nachsichtig – jeder jeck ist anders. genau um dieses „andere (nicht nur kinder) einfach mal sein lassen zu können, auch wenn sie nicht genau so sind wie man sich das vielleicht wünscht“ geht es mir übrigens. beim zusammenleben aller auf einer erde dürfte groß- und kleinschreibung sicher eins der kleineren probleme sein 🙂
      wenn wir allerdings schon bei der frage der einschränkung der persönlichen freiheit sind… warum es „ein unding“ ist, wenn ich auf meiner seite schreibe, wie es mir beliebt, muss ich nicht nachvollziehen können, gell? es ist ja zum glück gewissermaßen mein virtuelles wohnzimmer; wem die einrichtung nicht gefällt, der muss sich ja nicht reinsetzen 😉

  9. Sie finden es also ernsthaft in Ordnung, dass Kinder in einem Restaurant rund um den Tisch „fangen“ spielen, rennen und lachen und, wovon meist auszugehen ist, auch recht laut rufen/reden/kreischen???
    Ich selbst bin erst 22 Jahre alt und in einer Großfamilie aufgewachsen, die Erziehung lag wohl weitestgehend bei meinen Eltern, aber die versuchen doch meist die Normen und Werte der Gesellschaft weiterzugeben. Und zu diesen Normen gehört meiner Meinung nach auch, dass man sich in einem Restaurant nicht wie die „letzte Büffelherde“ (überspitzt formuliert) benimmt, sondern Rücksicht nimmt auf die anderen Anwesenden. Ich denke es ist durchaus berechtigt, dass ein weiterer Gast darauf hinweist, wenn ihn dieses Verhalten stört. Natürlich könnte dieser auch die Eltern bitten mit ihren Kindern zu sprechen und sie zurechtzuweisen, aber dies passt den meisten Eltern ja auch wieder nicht, da man sich trotzdem einmischt. Es scheint oft auch so zu sein, dass Eltern „resignieren“ sie sind das Verhalten ihrer Kinder gewohnt, erleben sie meist 24 Stunden am Tag und können das einfach mal ausblenden wenn es ihnen zu viel wird.
    Mir jedoch wäre es peinlich, wenn meine Kinder sich laut und unhöflich in einem Restaurant benehmen, denn ich habe in meiner Erziehung gelernt, dass man dies nicht tut!
    Und noch ein Hinweis zu ihrem Fall mit der Kastanie in der Strandbar. Sind sie wirklich der Meinung, dass es in Ordnung ist Blätter von einem Baum abzureißen? Verstehen sie mich nicht falsch ich bin nun wirklich kein „Umweltfanatiker“, auch ich habe das als Kind getan und jedes Kind tut das. Aber dennoch kann ich die Meinung der Dame nachvollziehen, denn eigentlich tut man dies nicht. Egal ob nun ein Baum 50.000, 80.000 oder auch sonst wieviele Blätter besitzt, es ist und bleibt eine Art von Zerstörung und „Verletzung“ des Baumes. Also sehen sie dies doch als Hilfe, auch wenn ihr Kind einmal einen Rüffel von Anderen/Fremden bekommt. Definitiv haben die Anderen nicht immer Recht und wissen es besser als man selbst, aber man kann doch auch nicht alles selbst sehen und vielleicht einfach solche Hinweise wie die der Dame in der Strandbar oder auch des Herren im Restaurant (wie im Beispiel des Artikels genannt) annehmen und seinem Kind selbst noch einmal erklären was es eventuell falsch gemacht hat oder wie es vielleicht beim nächsten mal besser wäre sich zu verhalten.
    Also seien sie nicht so „egoistisch“ und borniert sondern machen sie die Augen auf und erkennen sie, dass keiner unfehlbar ist auch die Eltern in ihrer Erziehung nicht!

    • mir ist nicht ganz klar, warum herumrennen um einen tisch etwas schlimmeres ist, als einem unbekannte leute erst mal als borniert zu bezeichnen, aber da /ich/ ja antiautoritär bin, dürfen sie das gern auch hier im blog tun 🙂 . ich bin mir nicht sicher, ob sie verstanden haben, dass sie hier in einem blog gelandet sind, in dem erziehung ganz grundsätzlich erst mal nicht super gefunden wird… macht ja nix.

  10. Ich wollte diese Gegendarstellung wirklich gerne lesen. Leider habe ich auch beschlossen, Texte ohne Groß- und Kleinschreibung nicht zu lesen, weil diese unnötig schwer zu lesen sind.
    Warum ich das hier schreibe? Nur als eine Erklärung dafür, dass dieser Text vll. nicht so viele erreicht wie der auf den hier Bezug genommen wird.

    • schade. ich dachte, da die engländerInnen und amis das hinkriegen, dürfte das nicht so ein problem sein. ich empfinde die groß- und kleinschreibung als absolut verzichtbares element der rechtschreibung, aber vielleicht muss ich doch noch mal drüber nachdenken. allerdings – ich denke, wenn einer/einem ein text wichtig ist, dann scheitert das nicht an so einer kleinigkeit. wenn mich etwas interessiert, dann lese ich sogar auch mal was in einer anderen sprache 😉

  11. Entweder wurde der Originaltitel des Artikels geändert, aber
    „Hör mal, Freundchen! Fremde Kinder können anstrengend sein. Aber wehe, man setzt ihnen als Außenstehender Grenzen. Dann bekommt man Ärger mit den Eltern. Warum eigentlich?“
    klingt nicht nach ausschimpfen.
    Sehen Sie hier etwas was sie sehen wollen und gegen das sie sich mit aller Gewalt auflehnen müssen?

    Zum Inhalt möchte ich mich lieber nicht äußern, da hier meiner Meinung nach Äpfel (Meckern) mit Birnen (Grenzen setzen) verglichen werden.

    • mir ist schon bewusst, dass es für meckern verschiedene wohlklingende umschreibungen gibt – „grenzen setzen“ ist eine beliebte davon, „konsequent sein“ wird auch gern genommen. wenn jemand mit mir reden würde per „hör mal, freundchen“, empfände ich das als sehr herabwürdigend. würden sie sich so einen ton von jemand anderem wünschen? stellen wir uns vor, ihre partnerin, ihr partner würde einen ernst gemeinten satz an sie richten – z.b. „hör mal, freundchen, ich bin heute nicht schon wieder dran mit spülen“ – wäre das einfach nur ein „da macht jemand seine grenze klar“? mmh. bei mir ginge so ein ton ganz sicher als meckern oder ausschimpfen durch, als etwas, das von oben herab und nicht auf augenhöhe passiert, aber so sind die menschen verschieden.
      (das mit dem „auflehnen“ gefällt mir als antiautoritärer übrigens, danke dafür 🙂 )

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